Zum Inhalt springen
Zurück zum Blog
Automation
20. Apr. 202612 Min. Lesezeit

n8n vs. Zapier vs. Make: Welches Workflow-Tool für welchen Fall?

Drei Tools dominieren den Markt für Workflow-Automation: Zapier, Make und n8n. Wer zum ersten Mal einen Prozess automatisieren will, steht vor einer Wahl, die langfristig Folgen hat — Wechsel später sind mühsam. Diese...

M² WEBVISION

Digitalagentur aus München

Drei Tools dominieren den Markt für Workflow-Automation: Zapier, Make und n8n. Wer zum ersten Mal einen Prozess automatisieren will, steht vor einer Wahl, die langfristig Folgen hat — Wechsel später sind mühsam. Dieser Vergleich zeigt, welches Tool für welchen Anwendungsfall die richtige Wahl ist, worauf deutsche Unternehmen besonders achten sollten und wo jedes System seine ehrlichen Grenzen hat.

Kurzüberblick: Was unterscheidet die drei Tools?

Alle drei Plattformen lösen dasselbe Grundproblem: Sie verbinden verschiedene SaaS-Dienste miteinander, sodass Daten automatisch zwischen ihnen fließen — etwa eine neue Shop-Bestellung, die automatisch in der Buchhaltung landet, oder ein Kontaktformular, das direkt einen CRM-Eintrag anlegt. Die Unterschiede liegen im Detail: in der Art der Workflows, im Preismodell, im Datenschutz, im Funktionsumfang und darin, wie tief sich Spezialfälle abbilden lassen.

  • Zapier (2011, USA) ist das älteste der drei Tools und der Platzhirsch im englischsprachigen Raum. Stärken: einfache Einrichtung, riesige App-Bibliothek, hoher Wiedererkennungswert. Schwäche: Preismodell pro Task, das bei steigender Nutzung schnell dreistellig pro Monat wird.
  • Make (früher Integromat, 2016, Tschechien) bietet mehr visuelle Flexibilität als Zapier. Workflows werden als Flussdiagramme mit mehreren Branches und Schleifen gebaut. Preismodell pro Operation — günstiger als Zapier bei hoher Nutzung, aber ebenfalls nutzungsabhängig.
  • n8n (2019, Berlin) ist Open Source und optional self-hosted. Das einzige der drei Tools, das ohne Cloud-Abhängigkeit und ohne nutzungsabhängige Preisschraube läuft. Entwicklernäher in der Bedienung, dafür flexibler bei komplexen Anforderungen.

Preise im Vergleich

Der häufigste Schock bei Zapier-Kunden kommt nach etwa sechs Monaten Nutzung: Der Tarif wurde automatisch hochgestuft, weil die Task-Zahl über dem bisherigen Plan liegt. Wer das vermeiden will, muss die Preismodelle von Anfang an verstehen — sie sind der wichtigste Unterschied zwischen den drei Tools.

Zapier rechnet pro Task ab — jede Aktion, die ein Zap ausführt, zählt als eine Task. Der Free-Plan bietet 100 Tasks pro Monat, Starter 750, Professional 2.000, Team 50.000. In der Praxis reichen 2.000 Tasks nur für eine Handvoll aktiver Zaps mit täglicher Nutzung. Ab dem Team-Plan liegen Sie bei 69 € pro Monat, mit steigender Nutzung schnell bei 299 € pro Monat und mehr. Wer fünf oder sechs Workflows produktiv betreibt, landet typischerweise im mittleren dreistelligen Monatsbereich.

Make rechnet pro Operation ab — jeder Modul-Aufruf innerhalb eines Szenarios zählt. Ein Workflow mit fünf Schritten verbraucht pro Durchlauf fünf Operations. Der Core-Plan beginnt bei 9 € pro Monat für 10.000 Operations, Pro bei 16 € pro Monat mit erweiterten Features, Teams und Enterprise darüber. In der Praxis ist Make bei mittlerer Nutzung deutlich günstiger als Zapier — aber das Prinzip bleibt: Nutzung kostet Geld.

n8n kennt keine Task- oder Operation-Abrechnung. Die Cloud-Version kostet ab 20 € pro Monat pauschal und erlaubt beliebig viele Ausführungen. Self-hosted ist die Software kostenlos (Fair-Code-Lizenz). Sie zahlen nur die Server-Kosten, typischerweise 5–20 € pro Monat bei Hetzner oder vergleichbaren EU-Hostern. Ab drei bis vier aktiven Workflows ist n8n wirtschaftlich unschlagbar — der Abstand wächst mit jeder zusätzlichen Automatisierung.

DSGVO und Datenschutz

Für deutsche Unternehmen ist dieser Punkt oft entscheidend — und wird von Zapier- und Make-Fans gerne kleingeredet. Die nüchterne Wahrheit:

Zapier ist ein US-Unternehmen, die Server stehen primär in den USA. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO ist verfügbar, aber es bleibt das Standardvertragsklausel-Dilemma: Das EU-US Data Privacy Framework (DPF) ist nach dem Schrems-III-Verfahren wieder umstritten, und personenbezogene Daten Ihrer Kunden werden faktisch durch US-Server geroutet. Für Kontakt- und Marketingdaten mit klarer US-Verbindung pragmatisch vertretbar. Für Gesundheits-, Finanz- oder besonders sensible Daten problematisch — und bei strenger Auslegung durch die deutschen Aufsichtsbehörden riskant.

Make sitzt in Tschechien (EU) und bietet EU-Server-Regionen an. Die DSGVO-Situation ist deutlich entspannter als bei Zapier. Die Standard-App-Ökosysteme enthalten trotzdem viele US-Dienste, deren Anbindung über Make wieder einzeln datenschutzrechtlich zu prüfen ist. Make erleichtert die DSGVO-Situation, löst sie aber nicht.

n8n self-hosted in Deutschland ist der datenschutzfreundlichste Ansatz: Daten verlassen Ihren Server nicht, außer wenn ein Workflow-Schritt explizit mit einem externen Dienst kommuniziert. Sie haben die volle Kontrolle darüber, welche Daten wohin fließen — und können diese Entscheidung pro Workflow neu treffen. Self-hosted n8n ist die einzige Option, bei der keine Auftragsverarbeitung mit einem Drittanbieter nötig ist, weil es keinen Drittanbieter für die Plattform selbst gibt.

Funktionsumfang und Integrationen

Wer glaubt, Zapier habe als Marktführer automatisch den Funktionsvorsprung, übersieht wichtige Nuancen.

Zapier führt bei der reinen App-Anzahl: über 7.000 Apps sind per Direktanbindung verfügbar. Nachteil: Viele dieser Integrationen sind oberflächlich — typische Trigger und Actions, aber keine tiefgreifende API-Nutzung. Wer einen Spezialfall braucht — etwa eine Rechnung, die nur erstellt werden soll, wenn ein Kunde Firmenstatus hat und in Deutschland sitzt — stößt an Grenzen und muss auf Code-Steps oder Webhooks ausweichen.

Make hat mit rund 2.000 Apps weniger Direktintegrationen als Zapier, aber meist tiefere API-Abdeckung pro Integration. Das visuelle Flussdiagramm erlaubt komplexere Workflows als Zapier: mehrere parallele Branches, Iterationen, Aggregationen über mehrere Datensätze. Für Geschäftslogik mit mehreren Verzweigungen ist Make deutlich flexibler.

n8n bietet etwa 400 eingebaute Integrationen und die Möglichkeit, beliebige APIs per HTTP-Request-Node direkt zu nutzen. Dazu kommt: n8n ist das einzige der drei Tools, das JavaScript- und Python-Code nativ ausführen kann. Für komplexe Logik und Ad-hoc-Datenverarbeitung ist das der entscheidende Unterschied. Wo Zapier und Make an die Grenze ihres Konfigurations-Baukastens stoßen, schreibt n8n einfach zwei Zeilen Code — ohne Plattform-Wechsel, ohne Workaround.

Einstiegshürde und Einrichtung

Wer Zapier zum ersten Mal startet, baut den ersten Workflow in fünf Minuten: Trigger auswählen, Action auswählen, Feld-Mapping per Klick, fertig. Genau diese Einfachheit ist Zapiers stärkstes Verkaufsargument. Wer einmalig einen simplen Prozess automatisieren will, kommt mit Zapier am schnellsten ans Ziel.

Make fordert etwas mehr Einarbeitung: Das Flussdiagramm-Konzept muss man einmal verstanden haben. Nach der ersten Stunde baut man in Make schneller als in Zapier — einfach weil man mehr Kontrolle hat und weniger häufig gegen Grenzen stößt. Die Einarbeitung zahlt sich innerhalb einer Woche aus.

n8n hat die steilste Einstiegskurve. Das Interface ähnelt Make, aber self-hosted muss zunächst ein Server aufgesetzt werden: Docker-Container, Hetzner-VPS oder ähnlich, HTTPS-Konfiguration, Backups. Wer n8n Cloud nutzt, umgeht diesen Schritt — zahlt aber den monatlichen Aufschlag. Unsere Erfahrung: Kunden, die einen Dienstleister mit der n8n-Einrichtung beauftragen, haben die Einstiegshürde elegant gelöst und profitieren trotzdem von den langfristigen Vorteilen. Genau dafür bieten wir unseren Automatisierungs-Audit und Build-Service an.

KI-Features und LLM-Integration

Bis Mitte 2023 war KI in allen drei Tools Nebensache. Seit 2024 hat sich das radikal gedreht — und hier unterscheiden sich die Produkte am deutlichsten.

Zapier AI bietet AI Actions (ChatGPT-Integration als Trigger oder Action) und experimentelle Agents. Die Tiefe ist jedoch begrenzt: LLM-Calls sind einzelne Schritte in einem Zap, längere Reasoning-Ketten oder komplexe Prompt-Chains sind schwer abzubilden. Für einfache Anwendungsfälle — E-Mail-Umformulierung, kurze Klassifikation — ausreichend.

Make bietet ähnlich wie Zapier ChatGPT- und Anthropic-Integrationen als einzelne Module im Scenario. Die komplexeren AI-Builder-Features sind verfügbar, aber weniger ausgereift als bei n8n.

n8n integriert LangChain nativ. Das ist der entscheidende Unterschied: Komplette Agent-Workflows mit Tools, Memory, Chain-of-Thought, Retrieval-Augmented Generation und eigenen Vector Stores (z. B. Pinecone oder pgvector) laufen als Standard-Nodes. Wer KI produktiv in Geschäftsprozesse einbauen will — und nicht nur einen ChatGPT-Call als einzelnen Schritt braucht — kommt an n8n kaum vorbei. Die Konkurrenz hat hier schlicht einen Rückstand von 12 bis 18 Monaten.

Skalierbarkeit und Grenzen

Jedes der drei Tools hat eine Obergrenze, ab der es nicht mehr praktikabel ist.

Zapier wird ab etwa 10.000 Tasks pro Monat wirtschaftlich unattraktiv — die Team- und Company-Pläne kosten dann schnell 400 bis 800 € pro Monat. Für große Unternehmen mit Millionen von Operationen ist Zapier keine Option mehr.

Make skaliert ökonomischer als Zapier, stößt aber bei sehr komplexen Workflows an UI-Grenzen: Szenarios mit 50 oder mehr Modulen werden unübersichtlich, und es gibt keine echte Trennung zwischen Entwicklungs- und Produktionsumgebung. Versionskontrolle ist möglich, aber weniger komfortabel als bei einem echten Code-Workflow.

n8n self-hosted hat keine nutzungsabhängige Kostengrenze nach oben und kann beliebig horizontal skaliert werden (Queue Mode mit Redis). Die Grenze ist eher operativ: Wer n8n betreibt, braucht jemanden, der Server-Updates, Backups und n8n-Core-Updates durchführt. Wer das nicht selbst leisten kann, kauft diesen Betrieb ein — zum Beispiel im Rahmen unseres Managed-Betrieb-Pakets.

Welches Tool für welchen Fall?

Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lässt sich in drei klaren Szenarien zusammenfassen.

Wann Zapier die richtige Wahl ist

Zapier passt für Unternehmen, die einzelne, einfache Automatisierungen schnell produktiv haben wollen und niedrige Task-Zahlen erwarten: Solo-Selbstständige, kleine Marketing-Teams, Projekte mit wenigen hundert Tasks pro Monat. Der größte Vorteil — die Schnelligkeit der Einrichtung — zählt hier mehr als langfristige Kosten oder Flexibilität. Ein guter Lackmustest: Wenn Sie nicht mehr als drei bis fünf Workflows gleichzeitig betreiben und diese jeweils wenige hundert Male pro Monat ausführen, ist Zapier eine pragmatische Wahl.

Wann Make die richtige Wahl ist

Make lohnt sich, wenn Sie mittlere Komplexität und mittlere Nutzungsfrequenz haben und keinen zwingenden DSGVO-Härtefall. Typische Kunden: E-Commerce-Betriebe mit mehreren Workflows rund um Bestellungen, Lager und Versand; Marketing-Teams mit Multi-Touch-Funnels; Agenturen, die für Kunden automatisieren. Make ist auch der beste Einstieg in „richtiges" Workflow-Denken, wenn Sie mehr als Zapier brauchen, aber keinen Entwickler zur Verfügung haben und die DSGVO-Themen nicht ausgeprägt sind.

Wann n8n die richtige Wahl ist

n8n wird ab etwa drei aktiven Workflows oder mittlerer Nutzungsfrequenz zum wirtschaftlich überlegenen Tool. Pflicht wird es, sobald einer dieser drei Faktoren zutrifft: hoher DSGVO-Bedarf (Gesundheits-, Finanz- oder personenbezogene Daten in größerem Umfang), geplante KI-Integration jenseits einfacher Prompt-Calls, oder Workflows mit individueller Logik, die sich in Zapier oder Make nur mit Krücken abbilden lassen. Für deutsche Mittelständler, die Automatisierung strategisch einsetzen und nicht als Einzelexperiment, ist n8n in den meisten Fällen die ehrlichere Empfehlung.

Die einzige Einschränkung: n8n braucht entweder technisches Know-how im Team oder einen Dienstleister, der die Infrastruktur verantwortet. Wer das nicht hat, sollte mit Make starten und bei Bedarf migrieren — oder gleich mit einem fertigen n8n-Betriebs-Paket einsteigen, bei dem Einrichtung, Hosting und Anpassungen aus einer Hand kommen.

Fazit

Zapier ist die schnellste Lösung für einfache Einzelprozesse, Make der beste Kompromiss für mittlere Komplexität ohne DSGVO-Härtefälle, und n8n die strategische Wahl, sobald Datenschutz, Kosten bei höherer Nutzung, KI-Integration oder komplexe Geschäftslogik ins Spiel kommen. Für deutsche Unternehmen mit drei oder mehr Workflows und personenbezogener Datenverarbeitung ist n8n in den meisten Fällen die ehrlichere Empfehlung — trotz der höheren Einstiegshürde. Wer sich diese Hürde nicht selbst aufbauen will, kann auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, die Einrichtung, Entwicklung und laufenden Betrieb übernehmen und damit die Vorteile von n8n ohne den operativen Mehraufwand nutzbar machen.