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E-Commerce
6. Juli 202611 Min. Lesezeit

Online-Shop erstellen lassen: Kosten realistisch kalkuliert

Zwei Angebote für denselben Online-Shop: einmal 3.500 €, einmal 38.000 €. Beide Agenturen haben dasselbe Briefing gelesen, beide sind seriös — und trotzdem liegt ein Faktor zehn dazwischen. Das ist kein Zeichen für Abzocke, sondern dafür, dass unter dem Wort „Online-Shop“ sehr unterschiedliche Dinge verstanden werden. Dieser Beitrag ordnet die Preisspannen am Markt ehrlich ein: was ein Shop je nach Ansatz kostet, welche Faktoren den Preis wirklich treiben, welche laufenden Kosten viele Angebote verschweigen — und wo Sparen klug ist und wo es teuer wird. Ohne Fantasiezahlen, dafür mit den Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten.

Warum ein Shop kein „Website plus Warenkorb“ ist

Der häufigste Kalkulationsfehler beginnt bei der Annahme, ein Online-Shop sei eine Website mit angehängtem Warenkorb. Tatsächlich ist ein Shop ein Stück Betriebssoftware: Er verarbeitet Zahlungen, berechnet Steuern und Versandkosten, verwaltet Lagerbestände, erzeugt Rechnungen, spricht mit Warenwirtschaft und Versanddienstleister und muss dabei ein deutlich strengeres rechtliches Korsett einhalten als jede Unternehmensseite. Jede dieser Aufgaben existiert bei einer normalen Firmenwebsite schlicht nicht — und jede kostet Konzeption, Umsetzung und Tests.

Dazu kommt: Ein Shop ist nie fertig. Sortimente ändern sich, Zahlarten kommen dazu, Gesetze werden angepasst, die Plattform selbst wird weiterentwickelt. Wer die Gesamtkosten eines Shops beurteilen will, muss deshalb zwei Zahlen betrachten: den Projektpreis für den Aufbau und die laufenden Kosten für Betrieb und Pflege. Angebote, die nur die erste Zahl nennen, sind unvollständig — dazu unten mehr.

Die Preisspannen am Markt — ehrlich eingeordnet

Mit aller Vorsicht, die Pauschalzahlen verdienen, haben sich am deutschen Markt grob vier Preisklassen etabliert:

  • Selbst gebaut mit Baukasten oder Shopify-Standard: Wer Zeit investiert und mit einem fertigen Theme lebt, kommt mit den Plattformgebühren plus einigen hundert Euro für Theme und Apps aus. Das ist der richtige Weg für den Test einer Geschäftsidee — nicht für ein Sortiment, das ein Unternehmen tragen soll.
  • Template-basierter Agentur-Shop: Eine Agentur richtet Plattform, Design auf Theme-Basis, Zahlarten, Versandregeln und Rechtstexte professionell ein — üblich sind je nach Umfang etwa 3.000 bis 10.000 €. Solide für überschaubare Sortimente ohne Sonderprozesse.
  • Individueller Shop: Eigenes Design, angepasste Kauf-Strecke, Schnittstellen zu Warenwirtschaft oder ERP, Datenmigration aus einem Altsystem — hier beginnen Projekte realistisch ab etwa 10.000 € und reichen je nach Komplexität bis 50.000 €.
  • Enterprise und Headless: Mehrere Märkte, hohe Lasten, eigene Frontends auf einer entkoppelten Commerce-Plattform — solche Projekte sind sechsstellig und ein eigenes Thema; was hinter dem Begriff steckt, erklärt unser Beitrag zu Headless Commerce.

Wichtig: Diese Spannen beschreiben den Markt, nicht ein konkretes Angebot. Ein seriöser Anbieter wird Ihr Vorhaben zuerst verstehen wollen — Sortiment, Prozesse, Schnittstellen — und erst dann eine Zahl nennen. Wie so ein Projekt strukturiert abläuft, von der Plattformwahl bis zum Livegang, zeigen wir auf unserer Seite zum Online-Shop erstellen; einen ersten Richtwert für Ihr konkretes Vorhaben liefert in wenigen Klicks unser Website-Kosten-Rechner.

Die Plattformwahl ist eine Kostenentscheidung

Kaum eine Weiche stellt die Kosten so früh wie die Wahl der Plattform — und zwar weniger beim Projektpreis als bei den Folgekosten. Shopify ist gehostet und gewartet: Updates, Sicherheit und Skalierung übernimmt die Plattform, dafür zahlen Sie eine Monatsgebühr plus App-Kosten und geben ein Stück Kontrolle ab. WooCommerce ist als WordPress-Erweiterung lizenzkostenfrei, verlagert aber Hosting, Updates und Sicherheit vollständig in Ihre Verantwortung — was über die Jahre eigene Kosten erzeugt. Shopware als deutsche Plattform spielt seine Stärken bei komplexen B2B-Anforderungen, Varianten und Individualisierung aus, braucht dafür aber erfahrene Entwickler.

Welche Plattform zu welchem Geschäftsmodell passt, haben wir in zwei ausführlichen Vergleichen aufgeschrieben — Shopify vs. WooCommerce und Shopify vs. Shopware 6. Für die Kostenfrage zählt die Kurzfassung: Die „günstige“ Plattform ist die, deren Folgekosten zu Ihrem Team passen. Ein lizenzfreies System, das niemand im Haus pflegen kann, ist am Ende teurer als eine Monatsgebühr.

Als spezialisierte Shopify-Agentur und Shopware-Agentur beraten wir hier bewusst plattformoffen — die Entscheidung fällt am Geschäftsmodell, nicht am Logo.

Was den Preis wirklich treibt

Innerhalb jeder Preisklasse entscheiden ein paar wiederkehrende Faktoren darüber, ob ein Projekt am unteren oder oberen Rand landet:

  • Produktdaten: 40 Produkte mit sauberen Fotos und Texten sind ein Nachmittag. 4.000 Produkte mit Varianten, Staffelpreisen und lückenhaften Daten aus einer alten Warenwirtschaft sind ein eigenes Teilprojekt — die Datenaufbereitung wird fast immer unterschätzt.
  • Schnittstellen: Jede Anbindung — Warenwirtschaft, ERP, Kassensystem, Versanddienstleister, Buchhaltung — ist Konzeption, Entwicklung und Fehlersuche. Standard-Konnektoren dämpfen die Kosten, individuelle Prozesse treiben sie.
  • Migration: Ein Umzug von einem Altsystem bringt Bestandsdaten, Kundenkonten, Bestellhistorie und — oft übersehen — die alten URLs mit, die sauber weitergeleitet werden müssen, damit Rankings nicht verloren gehen.
  • Design-Individualität: Ein angepasstes Theme kostet einen Bruchteil eines vollständig eigenen Designs. Beides kann richtig sein; der Unterschied gehört nur ehrlich beziffert.
  • Mehrsprachigkeit und Märkte: Jede zusätzliche Sprache und jedes Zielland multipliziert Inhalte, Steuerlogik und Rechtstexte.

Ein guter Test für jedes Angebot: Fragen Sie, welche dieser fünf Positionen enthalten sind und welche nicht. Seriöse Anbieter beantworten das präzise — und ein auffallend günstiges Angebot wird an genau diesen Stellen dünn.

Die laufenden Kosten, die viele Angebote verschweigen

Der Projektpreis ist nur die halbe Rechnung. Dazu kommen Monat für Monat: Plattform- oder Hostinggebühren, kostenpflichtige Apps und Erweiterungen (im Shopify-Umfeld summieren sich schnell mehrere Werkzeuge), Zahlungsgebühren pro Transaktion — je nach Zahlart und Anbieter meist im Bereich von ein bis drei Prozent des Umsatzes plus Fixbetrag — sowie Pflege und Wartung. Gerade bei selbst gehosteten Systemen wie WooCommerce oder Shopware ist ein verlässlicher Wartungsvertrag keine Option, sondern Betriebsvoraussetzung: Ein Shop verarbeitet Zahlungsdaten und ist damit ein lohnenderes Angriffsziel als jede Firmenwebsite.

Als Faustregel für die Planung: Rechnen Sie über drei Jahre. Ein Shop für 8.000 € mit 300 € monatlichen Nebenkosten kostet in diesem Zeitraum knapp 19.000 € — und ist damit womöglich teurer als ein Projekt mit höherem Einstiegspreis und schlankeren Folgekosten. Erst diese Gesamtrechnung macht Angebote vergleichbar. Und sie zeigt auch, wann sich der Shop trägt: Wer die eigene Marge kennt, kann aus den Gesamtkosten den nötigen Mehrumsatz ableiten — eine nüchterne Rechnung, die vor teuren Bauchentscheidungen schützt. Welche Stellschrauben aus vorhandenem Traffic mehr Umsatz holen, behandelt unser Beitrag zur Conversion-Rate-Optimierung im Online-Shop.

Recht im Shop: Pflichten, die im Budget stehen müssen

Ein Online-Shop unterliegt deutlich mehr Pflichten als eine Unternehmensseite, und einige davon kosten Umsetzungsaufwand: die Buttonlösung nach § 312j BGB („zahlungspflichtig bestellen“ statt kreativer Formulierungen), vollständige Widerrufsbelehrung und AGB, korrekte Grund- und Gesamtpreisangaben nach der Preisangabenverordnung, die Registrierung im Verpackungsregister LUCID, sobald verpackte Ware verschickt wird, und seit Ende 2024 die Herstellerangaben nach der EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) auf Produktebene. Der jahrelang übliche Pflicht-Link zur EU-Streitbeilegungsplattform ist dagegen Geschichte — die Plattform wurde im Juli 2025 abgeschaltet, wer den Link noch führt, verlinkt ins Leere.

Dazu kommt der Datenschutz, der im Shop mehr umfasst als das Cookie-Banner: Kundenkonten, Bestelldaten, Zahlungsdienstleister und Tracking wollen sauber in der Datenschutzerklärung abgebildet sein. Die Grundlagen fasst unser Leitfaden zur DSGVO-konformen Website zusammen. Rechtstexte selbst gehören von einem Anwalt oder einem gepflegten Generator-Dienst — aber die technische Umsetzung all dieser Pflichten gehört ins Shop-Budget, nicht in die Fußnote.

Wo Sparen klug ist — und wo es teuer wird

Klug sparen heißt: klein starten, aber auf der richtigen Grundlage. Ein Theme statt Individualdesign, ein fokussiertes Startsortiment statt des kompletten Katalogs, Standard-Konnektoren statt maßgeschneiderter Schnittstellen — all das senkt den Einstiegspreis, ohne das Fundament zu beschädigen, und lässt sich später ausbauen. Teuer wird es umgekehrt bei allem, was sich schlecht nachrüsten lässt: eine Plattform, die zum Geschäftsmodell nicht passt, fehlende Weiterleitungen bei der Migration, ungepflegte Produktdaten und fehlende Wartung. Ein dritter Spar-Hebel wird oft übersehen: E-Commerce-Projekte mit echtem Digitalisierungscharakter — etwa ein Shop mit Warenwirtschafts-Anbindung — können unter Umständen förderfähig sein; einen Überblick gibt unsere Seite zu Fördermitteln für Websites und Shops, die Details zum bayerischen Programm unser Beitrag zum Digitalbonus Bayern. Reine Standard-Webauftritte sind dort allerdings ausdrücklich nicht förderfähig — auch das gehört zur ehrlichen Einordnung.

Am Ende ist die wichtigste Erkenntnis unspektakulär: Ein Online-Shop ist keine Ausgabe mit Listenpreis, sondern eine Investitionsentscheidung mit bekannten Stellhebeln. Wer die fünf Kostentreiber kennt, nach den laufenden Kosten fragt und Angebote über drei Jahre vergleicht, verhandelt mit jeder Agentur auf Augenhöhe — und erkennt sowohl das überteuerte als auch das gefährlich billige Angebot. Wenn Sie Ihr Vorhaben einmal durchsprechen möchten, nehmen Sie sich die Fragen aus diesem Beitrag mit ins unverbindliche Erstgespräch.

Fazit

Was ein Online-Shop kostet, hängt weniger vom Anbieter ab als vom Vorhaben: Am deutschen Markt liegen template-basierte Agentur-Shops üblicherweise bei 3.000 bis 10.000 €, individuelle Shops mit Schnittstellen und Migration bei 10.000 bis 50.000 €, Enterprise-Projekte darüber. Den Preis treiben Produktdatenmenge, Schnittstellen zu Warenwirtschaft und ERP, Migration, Design-Individualität und Mehrsprachigkeit. Mindestens so wichtig wie der Projektpreis sind die laufenden Kosten aus Plattformgebühren, Apps, Zahlungsgebühren und Wartung — seriös vergleichen lässt sich nur die Gesamtrechnung über drei Jahre. Wer klein startet, sollte an Theme und Sortiment sparen, nie an Plattformwahl, Datenqualität und Migration: Diese Fehler sind die teuersten.