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Webdesign
29. September 202611 Min. Lesezeit

Website selbst erstellen oder Agentur? Die ehrliche Rechnung

„Das kann ich doch auch selbst“: Bei kaum einer Unternehmer-Aufgabe liegt dieser Gedanke so nahe wie bei der eigenen Website. Baukästen werben mit „online in 30 Minuten“, KI-Generatoren bauen auf Zuruf ganze Seiten, und WordPress ist kostenlos. Auf der anderen Seite stehen Agenturangebote ab einigen tausend Euro. Die ehrliche Antwort auf die Frage „selbst machen oder machen lassen?“ hängt nicht vom Können ab, sondern von drei Faktoren: was Ihre Zeit kostet, was die Website für Ihr Geschäft leisten muss und ob Sie die laufende Pflege realistisch stemmen. Dieser Beitrag rechnet beide Wege durch, ohne Verkaufsbrille.

Welche Wege zum Selbermachen gibt es?

Drei Varianten dominieren. Homepage-Baukästen (Wix, Jimdo, Squarespace, IONOS): am schnellsten zum Ergebnis, Design per Drag-and-drop, Technik komplett abgenommen, dafür Monatsgebühren von 15 bis 40 €, begrenzte Gestaltungsfreiheit und ein System, aus dem man nicht mitnehmen kann, was man gebaut hat; den ausführlichen Vergleich ziehen wir in Homepage-Baukasten oder Agentur. WordPress in Eigenregie: Hosting mieten, Theme kaufen, Plugins zusammenstellen, maximale Freiheit für kleines Geld, aber Sie übernehmen die Rolle des Administrators inklusive Updates, Backups und Sicherheit. KI-Website-Generatoren: erzeugen aus einer Beschreibung erstaunlich schnell eine ansehnliche Erstversion, die danach trotzdem jemand mit Texten, Bildern, Rechtstexten und SEO zur echten Unternehmens-Website ausbauen muss; das Werkzeug beschleunigt den Start, ersetzt aber weder Konzept noch Pflege. In allen drei Varianten entscheidet am Ende derselbe Baustein über Anfragen: die Texte. Was sie leisten müssen, zeigt unser Beitrag Website-Texte schreiben.

Was kostet Selbermachen wirklich?

Die Honorar-Ersparnis ist real, die Gesamtrechnung sieht trotzdem anders aus, als die Werbung verspricht. Erster Posten: Ihre Zeit. Für eine brauchbare erste Version einer Fünf-Seiten-Website sind je nach Vorkenntnissen realistisch 40 bis 80 Arbeitsstunden fällig: Einarbeitung, Design-Entscheidungen, Texte, Bilder, Formulare, Rechtstexte, Mobil-Test. Bei einem kalkulatorischen Unternehmerstundensatz von 50 bis 100 € ist das ein vierstelliger Betrag, der nur nicht auf einer Rechnung steht. Zweiter Posten: laufende Kosten, also Baukasten-Abo oder Hosting plus kostenpflichtige Plugins und gelegentliche Hilfe, wenn etwas klemmt. Dritter, meist übersehener Posten: die Opportunitätskosten des Ergebnisses. Eine Website, die langsam lädt, bei Google unsichtbar bleibt oder Besucher nicht zu Anfragen führt, kostet jeden Monat Aufträge. Dieser Posten ist der teuerste und der unsichtbarste. Zum Vergleich: Was professionelle Umsetzung kostet, schlüsseln wir in Was kostet eine Website 2026? auf; eine erste Orientierung für Ihr Projekt liefert der Website-Kosten-Rechner.

Wann ist Selbermachen die richtige Entscheidung?

Es gibt Konstellationen, in denen wir ehrlich vom Agenturprojekt abraten. Die Idee ist noch ungetestet: Wer erst herausfinden will, ob ein Angebot überhaupt Nachfrage findet, fährt mit einem Baukasten für 20 € im Monat besser als mit einer 6.000-€-Website für ein Geschäftsmodell, das es in einem Jahr vielleicht nicht mehr gibt. Die Website ist Visitenkarte, nicht Vertriebskanal: Wer seine Aufträge über Empfehlungen und Bestandskunden bekommt und online nur gefunden werden will, wenn jemand den Namen googelt, braucht kein SEO-optimiertes Anfrage-Funnel. Sie haben Freude und Zeit dafür: Manche Gründer pflegen ihre Website gern selbst und lernen die Werkzeuge ohnehin. Dann ist der Eigenbau auch eine Investition in Unabhängigkeit.

Wann ist die Agentur wirtschaftlicher?

Die Rechnung dreht sich, sobald die Website messbar Geschäft bringen soll: Neukunden über Google-Suchen („Zahnarzt München“, „Dachdecker Notdienst“), Anfragen über Formulare, Verkäufe im Shop. Dann entscheiden Dinge über Umsatz, die im Eigenbau regelmäßig fehlen: saubere Ladezeiten, lokale Suchmaschinenoptimierung, durchdachte Nutzerführung, DSGVO- und BFSG-Konformität, strukturierte Daten. Eine professionelle Website, die pro Monat auch nur eine zusätzliche Anfrage bringt, hat sich bei den meisten Dienstleistern nach ein bis zwei Jahren selbst bezahlt. Dazu kommt der Faktor Zeit: 60 Stunden Eigenbau sind für einen ausgelasteten Betrieb schlicht nicht verfügbar, und eine halbfertige Website, die monatelang „in Arbeit“ ist, ist der teuerste aller Zustände. Woran Sie einen guten Anbieter erkennen, wenn es so weit ist, zeigt unser Ratgeber Webagentur finden.

Die Mittelwege zwischen den Extremen

Zwischen „alles selbst“ und „alles die Agentur“ liegen die oft klügsten Varianten. Professioneller Start, eigene Pflege: Die Agentur baut Struktur, Design und Technik; Sie pflegen Inhalte danach selbst im CMS. Das ist das Standardmodell der meisten unserer Projekte. Ehrlich benannte Template-Projekte: Für den kleinen Einstieg gibt es produktisierte Angebote wie unseren Onepager zum Festpreis von 790 €: Template-basiert, als solches benannt und bepreist, aber mit sauberer Technik, Rechtstexten und Grundoptimierung. Eigenbau mit Profi-Review: Sie bauen selbst, lassen aber Konzept, SEO-Grundlagen und Technik einmal prüfen. Ein UX- oder Website-Audit kostet einen Bruchteil des Projekts und verhindert die teuersten Fehler.

Fazit

Website selbst erstellen lohnt sich, wenn die Idee noch ungetestet ist, die Website reine Visitenkarte bleibt oder Zeit und Freude am Selbermachen vorhanden sind. Dann sind Baukasten oder WordPress in Eigenregie die rationale Wahl. Die Agentur ist wirtschaftlicher, sobald die Website messbar Kunden bringen soll: Die Eigenbau-Rechnung aus 40 bis 80 Arbeitsstunden, laufenden Kosten und entgangenen Anfragen übersteigt das Honorar dann schnell. Dazwischen liegen die klügsten Modelle: professioneller Aufbau mit eigener Inhaltspflege, ehrlich benannte Template-Angebote für den kleinen Einstieg oder Eigenbau mit professionellem Audit. Es zählt nicht das Können, sondern was die Website für das Geschäft leisten muss.