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Webdesign
26. Juli 202611 Min. Lesezeit

Homepage-Baukasten oder Agentur: Wann sich was rechnet

Ein Homepage-Baukasten kostet ein paar Euro im Monat, eine Agentur einen vierstelligen Betrag — die Entscheidung scheint auf den ersten Blick trivial. Sie ist es nicht, weil beide Zahlen unterschiedliche Dinge beschreiben: die eine einen Mietpreis für Software, die andere eine einmalige Investition in ein Werkzeug samt Konzept. Dieser Beitrag vergleicht beide Wege ohne Lagerdenken: was Baukästen heute wirklich können, wo sie an harte Grenzen stoßen, wie die Rechnung über drei Jahre inklusive Ihrer eigenen Arbeitszeit aussieht — und woran Sie erkennen, welcher Weg zu Ihrem Unternehmen passt.

Was Baukästen heute wirklich gut können

Fangen wir mit der fairen Seite an, denn die Zeiten, in denen Baukasten-Websites automatisch nach Baukasten aussahen, sind vorbei. Wix, Squarespace, Jimdo und Webflow liefern gestalterisch ordentliche Vorlagen, mobil brauchbare Layouts, automatische SSL-Verschlüsselung, eine generierte Sitemap, editierbare Seitentitel und Meta-Beschreibungen sowie ein Redaktionssystem, mit dem Sie ohne Termin bei einem Dienstleister eine Telefonnummer ändern können. Hosting, Updates und Backups sind im Abo enthalten und damit ein Thema weniger.

Für eine ganze Klasse von Vorhaben ist das schlicht die richtige Antwort: eine Geschäftsidee, die erst validiert werden muss. Ein Verein. Ein Nebenprojekt. Ein Einzelunternehmen, dessen Aufträge zu neunzig Prozent über Empfehlung kommen und dessen Website vor allem beweisen muss, dass es das Unternehmen gibt. Wer in diesen Situationen mehrere tausend Euro in eine individuelle Website steckt, investiert am Bedarf vorbei — und die ehrlichste Beratung ist hier ein Hinweis auf den Baukasten.

Die Rechnung, die selten aufgemacht wird

Der Preisvergleich fällt fast immer zugunsten des Baukastens aus, weil er unvollständig geführt wird. Verglichen werden Abo-Gebühr gegen Projektpreis — und dabei bleiben zwei Posten außen vor.

Der erste ist Ihre eigene Zeit. Eine ordentliche Baukasten-Website mit sechs bis acht Seiten, eigenen Texten, Bildauswahl, Rechtstexten und einer sauber eingerichteten Kontaktstrecke ist keine Wochenendaufgabe. Realistisch sind 30 bis 60 Stunden für jemanden, der es zum ersten Mal macht — Recherche, Verwerfen, Neuanfang inbegriffen. Bewerten Sie diese Stunden mit dem, was Ihre eigene Arbeitsstunde im Unternehmen wert ist, und der Preisabstand schrumpft erheblich. Ein Handwerksbetrieb, der 60 Stunden nicht auf der Baustelle verbringt, hat eine sehr konkrete Zahl vor Augen.

Der zweite Posten ist die Laufzeit. Ein Abo läuft, solange die Website lebt; eine Investition wird einmal getätigt und über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Rechnen Sie beide Wege deshalb über drei bis fünf Jahre durch, inklusive Zusatzkosten für Domain, professionelle E-Mail-Postfächer, gebuchte Zusatzfunktionen und Rechtstext-Dienste. Diese Gesamtrechnung ist der einzige belastbare Vergleich — einen ersten Anhaltspunkt für die Agenturseite liefert unser Website-Kosten-Rechner, die Marktspannen ordnet unser Beitrag Was kostet eine Website ein.

Wo Baukästen an harte Grenzen stoßen

Interessant wird es dort, wo Grenzen nicht durch mehr Mühe zu verschieben sind. Vier Themen tauchen in der Praxis immer wieder auf.

Ladezeit und Technik. Baukästen liefern generischen Code, der alles können muss — entsprechend viel JavaScript wandert in jede Seite. Auf einem Bürorechner mit Glasfaser fällt das nicht auf, auf einem drei Jahre alten Android-Gerät im Mobilfunknetz sehr wohl. Weil Sie an Server, Auslieferung und Skripten nichts ändern können, sind die Optimierungsmöglichkeiten begrenzt; was dabei auf dem Spiel steht, beschreibt unser Beitrag zu Core Web Vitals.

Barrierefreiheit. Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für digitale Dienstleistungen gegenüber Verbrauchern — betroffen sind unter anderem Online-Shops, Buchungsstrecken und Kundenkonten, mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen. Baukasten-Vorlagen sind hier ein Glücksspiel: Kontraste, Fokusreihenfolge, Formularbeschriftungen und Tastaturbedienbarkeit sind vom Template vorgegeben, und wo der Editor kein Attribut freigibt, hilft auch guter Wille nicht weiter. Was konkret gefordert ist, fasst unser Beitrag zum BFSG zusammen.

Datenschutz. Die meisten großen Anbieter sitzen in den USA. Das ist über das EU-US Data Privacy Framework grundsätzlich handhabbar, verlangt aber einen Auftragsverarbeitungsvertrag, eine korrekte Datenschutzerklärung und ein Cookie-Banner, das tatsächlich blockiert statt nur zu informieren. Eingebaute Analyse-, Chat- und Marketingfunktionen laden häufig ungefragt Drittanbieter nach — die Verantwortung dafür bleibt bei Ihnen. Die Pflichten im Überblick stehen in unserer DSGVO-Checkliste.

Individualität und Prozesse. Solange Sie Standardbausteine brauchen, ist alles gut. Sobald ein Prozess dazukommt — ein mehrstufiges Anfrageformular, eine Preiskalkulation, eine Anbindung an Warenwirtschaft, Kalender oder CRM, ein Kundenbereich — endet der Baukasten oder wird über Fremd-Widgets zusammengeflickt, die Ladezeit, Datenschutz und Optik gleichzeitig belasten.

Der Lock-in: was passiert, wenn Sie wechseln wollen

Der teuerste Unterschied wird erst beim Abschied sichtbar. Baukästen sind geschlossene Systeme: Sie können in der Regel Texte und Bilder herausholen, aber weder Design noch Struktur noch Funktionen mitnehmen. Ein Umzug bedeutet praktisch einen Neubau — und weil die URL-Struktur des alten Systems fest vorgegeben war, brauchen Sie zusätzlich ein sauberes Weiterleitungskonzept, damit die über Jahre aufgebauten Rankings nicht verloren gehen.

Das ist kein Argument gegen Baukästen, aber ein Argument gegen den Halbsatz „damit fangen wir erst mal an“ bei Vorhaben, die absehbar größer werden. Wer weiß, dass in zwei Jahren ein Shop, ein Buchungssystem oder mehrere Sprachen dazukommen, zahlt für den Zwischenschritt zweimal. Bei Systemen wie WordPress oder einem eigenen Frontend liegen Inhalte dagegen in einer Datenbank, auf die Sie zugreifen können, und der Code gehört Ihnen — Wechsel bleiben möglich, ohne bei null zu beginnen.

Wann der Baukasten die richtige Wahl ist

Die Entscheidung wird leichter, wenn man sie an Situationen statt an Meinungen festmacht. Für den Baukasten spricht es, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen: Das Budget liegt unter einem vierstelligen Betrag und lässt sich kurzfristig nicht erhöhen. Die Website ist Visitenkarte, nicht Vertriebskanal — neue Kunden kommen über Empfehlung, Ausschreibung oder Laufkundschaft. Es gibt jemanden im Haus, der Freude an der Sache hat und Zeit dafür bekommt. Es sind keine besonderen Compliance-Pflichten zu erfüllen. Und die Anforderungen sind absehbar stabil.

Wann sich die Agentur rechnet

Umgekehrt lässt sich der Punkt ziemlich genau bestimmen, ab dem Fremdleistung günstiger ist als Eigenarbeit: wenn die Website messbar Aufträge bringen soll. Sobald ein einziger gewonnener Auftrag einen dreistelligen oder höheren Deckungsbeitrag hat, entscheidet nicht mehr der Preis der Website, sondern ihre Conversion. Eine Seite, die zehn statt fünf Anfragen im Monat erzeugt, hat den Unterschied in wenigen Monaten eingespielt — und genau diese Differenz entsteht durch Dinge, die kein Template mitliefert: eine Argumentationsreihenfolge, die zur Kaufentscheidung Ihrer Kunden passt, belastbare Vertrauenselemente, saubere Ladezeiten und eine Anfragestrecke ohne Reibung.

Dazu kommen die harten Auslöser: rechtliche Pflichten, die man nicht ausprobieren möchte, Schnittstellen zu vorhandenen Systemen, mehrere Standorte oder Sprachen, ein Shop mit echtem Sortiment — und der Klassiker, dass schlicht niemand im Unternehmen die Zeit hat. Wie ein Projekt bei uns abläuft und was in welchem Paket steckt, steht transparent auf der Preisseite; individuell besprechen wir es als Webdesign-Agentur in München im Erstgespräch.

Der dritte Weg, der oft übersehen wird

Zwischen Baukasten und individueller Entwicklung liegt eine Option, die viele Unternehmen unterschätzt: ein professionell aufgesetztes Redaktionssystem mit angepasstem Theme. Sie bekommen die Pflegefreundlichkeit eines Baukastens, behalten aber die volle Kontrolle über Technik, Datenhaltung und Erweiterbarkeit — und sind nicht an einen Anbieter gebunden. Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist das der wirtschaftlich vernünftigste Punkt auf der Skala; wie wir das umsetzen, zeigt unsere Seite zu WordPress-Websites.

Wichtig ist dabei nur eines: Ein Redaktionssystem im Eigenbetrieb bringt Verantwortung mit. Updates, Sicherheit und Backups laufen nicht mehr nebenbei im Abo mit, sondern gehören in einen Wartungsvertrag — sonst tauschen Sie einen Nachteil des Baukastens gegen ein Risiko.

Wechsel vom Baukasten: worauf es ankommt

Wenn die Entscheidung für einen Umzug fällt, entscheidet die Vorbereitung über den Erfolg. Vier Punkte gehören auf jede Liste: eine vollständige Bestandsaufnahme aller bestehenden URLs samt ihrer Zugriffszahlen, ein Weiterleitungskonzept von jeder alten auf die passende neue Adresse, die Sicherung aller Inhalte und Bilder in Originalqualität sowie die rechtzeitige Klärung, wo Domain und E-Mail-Postfächer liegen — bei vielen Anbietern hängt beides am selben Vertrag, und ein übersehenes Postfach fällt am Umschalttag unangenehm auf.

Rechnen Sie außerdem mit einer Übergangsphase von einigen Wochen, in der Rankings schwanken. Das ist normal und kein Zeichen für einen Fehler, solange die Weiterleitungen sitzen. Wann ein Relaunch überhaupt sinnvoll ist und wie er strukturiert abläuft, beschreibt unsere Seite zum Website-Relaunch.

Fazit

Ein Homepage-Baukasten ist die richtige Wahl, wenn die Website vor allem Präsenz zeigen soll, das Budget klein ist und jemand im Haus Zeit für die Pflege hat — für Vereine, Nebenprojekte und die Validierung einer Geschäftsidee ist er wirtschaftlich kaum zu schlagen. Eine Agentur rechnet sich, sobald die Website Aufträge erzeugen soll: Dann entscheidet nicht der Preis, sondern die Anfragequote, und schon wenige zusätzliche Anfragen im Monat tragen die Investition. Harte Wechselgründe sind rechtliche Pflichten wie Barrierefreiheit und Datenschutz, Schnittstellen zu vorhandenen Systemen und fehlende interne Zeit. Wer absehbar wachsen wird, sollte den Zwischenschritt überspringen — der spätere Umzug aus einem geschlossenen System ist praktisch ein Neubau.